Nachbereitung Bildungsstreik 2010

Auf ein Wort: Der Bildungsstreik vom 9. Juni 2010

An diesem Mittwoch (9.6.10) riefen wieder viele Gruppen und Bündnisse zum bundesweiten Bildungsstreik auf, um auf das marode Bildungssystem der BRD aufmerksam zu machen. Auch in Göttingen hatten unter anderem das Schülerbündnis und die Jugendantifa Göttingen (J.A.G.) schon seit vielen Monaten mobilisiert. Am Vorabend des Streiks zogen geschätzte 30 junge AntifaschistInnen durch die Göttinger Innenstadt, kämpferisch verliehen sie dabei den bildungs- und staatskritischen Parolen mit Böllern und Bengalos Nachdruck. Auf Höhe des Charlie Max, Ecke Auditorium griff dann die Polizei ein. Zwei Streifenwagen versperrten die Kreuzung, ein Auto mit Zivilbeamten schoss von hinten in die revolutionäre Gruppe und fuhr dabei beinahe einige der Antifas über den Haufen. Laut Polizei wurden anschließend mehrere Personalien kontrolliert.

Am Mittwoch dann, fanden sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten, die Sternenmärsche, ausgehend von der IGS und KGS am Gänseliesel ein. Der von der J.A.G. mobilisierte „Antikapitalistische Jugendblock“ wurde am Willhelmsplatz von Anfang an Ziel der Repression durch die Polizei. Zum einen wurde der Lautsprecherwagen an Ort und Stelle festgesetzt. Außerdem wurden noch vor Beginn der eigentlichen Demonstration DemonstrantInnen von der Polizei durchsucht, Personalien wurden kontrolliert und es gab Festnahmedrohungen. Der Block löste sich deshalb auf und lief ohne Lauti in richtung Gänseliesel. Dort konnte sich der Block dann doch formieren und war von Anfang an sehr präsent und laut. Entgegen den Schätzungen von über zweitausend TeilnehmerInnen, halten wir eine Zahl von ca. 1.500 Menschen für realistischer. Damit folgt Göttingen dem bundesweiten Trend einer stark verringerten TeilnehmerInnenzahl gegenüber dem letzten Jahr.
Trotz der eher geringen Größe des Demozuges, konnte dieser die geplante Route ohne größere Unterbrechungen ablaufen. Das heiße Wetter machte Allen zu schaffen, dennoch gab es mehrere kurze Sitzblockaden. Die Polizei war die ganze Zeit über sehr präsent, filmte das ganze Geschehen unentwegt und zeigte sich äußerst gereizt. Besonders der Antikapitalistische Jugendblock sah sich im ständigen Fokus der Kameras und schließlich auch im Spalier laufen. Als Antwort auf dieses repressive Verhalten der Beamten flogen Klopapierrollen und einige Böller.
Noch vor dem Start der Demonstration hatte man den OrganisatorInnen der Demo angeboten, den „Schwarzen Block“ komplett aus der streikenden Menge „rauszuhalten“. Des öfteren würde sich dieser nämlich in friedliche Demonstration einschleichen, so die Polizei. Das es sich dabei um eine repressive Maßnahme bezüglich des feurigen Vorabends handelt ist zu vermuten.

Insgesamt stufen wir von der Jugendantifa Göttingen den Mittwoch als eher enttäuschend ein. Trotz der Schlagzeilen im Polizeiboulevard GT oder im NDR war der politische Erfolg eher mäßig, wenn nicht verloren. Durch das Eingreifen der Polizei am Willhelmsplatz wurde dem Antikap-Block zurersteinmal der Lauti verboten, wodurch Redebeiträge etc. unterbunden wurden. Dieses Verbot sowie die Gefährdenansprache an die OganisatorInnen sehen wir als bewussten Versuch linksradikalen Protest auf der Bildungsstreikdemo zu unterbinden. Und auch die vielen Kontrollen, Drohungen und Verbote im Vorfeld der Demo zeigen, wie sehr die Stadt gegen linke Jugendgruppierungen vorgeht. Schade ist auch, dass die vielen Menschen am Gänseliesel zu dieser Zeit, sich wenig interessiert und wenig solidarisch gezeigt haben. So konnte die Polizei ungestört und ohne jeglichen öffentlichen Druck agieren.
Die Demonstration selbst war dann ebenfalls bestimmt von der Präsenz der PolizeibeamtInnen und einer eher bürgerlichen und wenig kämpferischen Mehrheit der DemonstrantInnen. An dieser Stelle sehen wir ebenfalls einen starken Kritikpunkt. Trotz der Mühen des Antikap-Blocks ließ sich der Charakter einer sommerlichen Spaßdemo nicht wandeln. Fröhlich und sonnig, aber wenig revolutionär und so gar nicht kämpferisch gaben sich die meisten TeilnehmerInnen. Wir finden das traurig. Die Missstände in Deutschland sind akut und betreffen fast jede/n von uns. Und dennoch konnte das Feuer diesen Mittwoch nicht entfacht werden. Das führen wir vor allem auf die geringe Beteiligung und dem anscheinend geringen Interesse des Großteils der linken Szene in Göttingen am Bildungsstreik zurück, wie auch die Studierenden in Göttingen. Zu „radikal“ sei die Mobilisierung gewesen. Auch nach dem Redebeitrag der ASJ gab es Tumulte, betrefflich der Radikalität. Wir solidarisieren uns mit den GenossInnen der ASJ und sehen das Problem nicht in der Radikalität einiger Gruppen, sondern eher in der noch immer viel zu passiven und staatstoleranten Grundhaltung vieler Leute.
Es ist eure Pflicht als StudentInnen und als anstrebende ArbeiterInnenschicht die bestehenden Verhältnisse im kritischen Kontext zu sehen und Notfalls zu ändern. Sagt uns nicht, dass wir zu radikal sind, sondern werdet endlich radikal und fangt an eure Zukunft zu gestalten!

Alles in allem wünschen wir uns für das nächste Jahr eine größere Beteiligung aller Gruppen in Bündnissen, so dass wir gemeinsam eine Perspektive zur Umgestaltung der Bildungsstruktur in Göttingen und Deutschland entwickeln können. Außerdem sollten zukünftige Protestaktionen einen deutlich kämpferischen Charakter erhalten und den eines „Sommerfestes“ verlieren!

Die Wichtigen dieser Welt werden uns erst dann zuhören, wenn wir unsere Wut und unser Feuer auf die Straße und in ihre Häuser tragen! In diesem Sinne: Hasta la victoria siempre.

J.A.G. – Jugend Antifa Göttingen ´Juni 2010

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Redebeitrag:
Redebeitrag der Jugend Antifa Göttingen auf der Bildungsstreik Demonstration am 9.Juni 2010

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